Airbag wechseln oder reparieren – ist das jedermann erlaubt?

Airbags sind samt und sonders ein Fall für den Fachmann
Airbag wechseln oder reparieren – ist das jedermann erlaubt?

Seit etlichen Jahren gehört der Airbag in verschiedenen Formen zur Serienausstattung bei Neuwagen in Europa. Doch der Zahn der Zeit nagt auch hier, und so tut man gut daran, bei einem älteren Auto den Airbag wechseln zu lassen.

83F131

Zu den Dingen, von denen Laien im Auto definitiv die Finger lassen sollten, gehören Airbags jeder Art: Hier ist gerade beim Fahrerairbag – wenn auch nur in kleinen Mengen – Sprengstoff mit im Spiel, und wenn der durch unsachgemäße Handhabung gezündet wird, kann das oder der sich in der Folge entfaltende Airbag zu gefährlichen Verletzungen führen. Man denke nur an einen dergestalt abgeschossenen Schraubendreher, mit dem man eben noch in der Lenkradnabe herumhantiert hat. Einen alten Airbag wechseln lässt man, hängt nicht zufällig der eigene Gesellen- oder Meisterbrief des Kfz-Handwerks an der Wand, also besser in einer Fachwerkstatt. Und selbst dort darf nicht jeder Mechaniker oder Mechatroniker ran: Für den Umgang mit Airbags und Gurtstraffern, die als pyrotechnische Gegenstände der Kategorie P1 klassifiziert sind, ist mindestens ein sechsstündiger Lehrgang erforderlich. In Deutschland dürfen gemäß Paragraph 4 der 1. Verordnung zum Sprengstoffgesetz den Ein- und Ausbau sowie den Vertrieb von Airbags lediglich Personen mit mindestens eingeschränkter Fachkunde im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit vornehmen. Dies gilt auch für die Vernichtung von Airbag- oder Gurtstraffern, wenn diese in einem Pkw fest verbaut sind.

Airbags haben in Eigenheim und Garage nichts zu suchen

In Deutschland ist der Handel mit gebrauchten Airbags wie etwa im Rahmen der Autoverwertung untersagt. Wenn eine Fachkraft einen Airbag wechseln soll oder einen Airbag reparieren soll, wenn etwa die entsprechende Warnleuchte glimmt, kommt also stets ein Neuteil zum Einsatz. Gemäß Altfahrzeug-Verordnung dürfen Airbags aus Altautos nur von dazu berechtigten Personen vernichtet, sprich per externer Zündung ausgelöst werden. Airbags müssen in Deutschland nach den Vorgaben der Sprengstofflagerrichtlinie 240 „Lagerung von Airbag- und Gurtstraffer-Einheiten“ gelagert werden. Demzufolge ist bei Lagerung in Arbeitsräumen eine maximale Explosivstoff-Netto-Höchstmasse von 10 kg nicht zu überschreiten. Bei Unterbringung in Lagerräumen oder bei ortsbeweglicher Lagerung ist eine Explosivstoff-Netto-Höchstmasse von höchstens 100 kg erlaubt. Die Lagerung darf generell nur in gewerblich genutzten Räumlichkeiten wie etwa einer Kfz-Werkstatt geschehen. Für Sie als privaten Autofahrer bedeutet dies im Umkehrschluss, dass Sie weder Airbags gebraucht oder neu kaufen, austauschen noch in den eigenen vier Wänden lagern dürfen. Tun Sie es dennoch, machen Sie sich nach diversen Gesetzen strafbar.

Das Airbag Wechseln dient der eigenen Sicherheit

Prinzipiell haben Autohersteller in der Vergangenheit den Austausch von Airbags nach bestimmten Zeiträumen empfohlen, um die Funktionstüchtigkeit zu gewährleisten, im Allgemeinen nach rund zehn Jahren. Inzwischen lässt sich allerdings herstellerseitig eine Verlängerung dieser Intervalle feststellen. Gesetzlich ist der Fahrzeughalter im Gegensatz zum – weniger lebensrettendem – Verbandkasten allerdings nicht verpflichtet, abgelaufene Airbags zu ersetzen. Aus Gründen ihrer eigenen Sicherheit ist es dennoch sinnvoll, einen Airbag wechseln zu lassen, wenn Ihr Gebrauchtwagen schon einige Jahre alt ist.

Bild: Airbag in der Mercedes S-Klasse W126 von 1981 ©Daimler AG 2014