Skoda

Spätes Comeback – Vor dem Zweiten Weltkrieg war nicht zu ahnen, dass Škoda in Europa einmal vor allem als Hersteller von billigen Kleinwagen und Pick-Ups bekannt sein würde. Langsam aber findet die tschechische Marke zur alten (Ober-)Klasse zurück.

Škoda wurde als Maschinenbau-Unternehmen gegründet. 1925 erfolgte durch den Kauf der ebenfalls tschechischen Firma “Laurin&Klement” der Einstieg in den Automobilbau. Wenn sich Škoda heute als drittältester Autobauer der Welt bezeichnet, ist das also nur teilweise richtig. Das Mutterunternehmen blieb derweil bestehen. Es produzierte in der Nachkriegszeit unter anderem die im damaligen Ostblock weit verbreiteten Oberleitungsbusse, die wie eine Straßenbahn durch einen Stromabnehmer mit über der Straße entlangführenden Leitungen verbunden waren. Heute ist Škoda vor allem als Hersteller günstigerer Fahrzeuge bekannt und hat zuweilen Probleme, Respekt bei den Käufern in Westeuropa zu erlangen. In der Vorkriegszeit war das anders. Škoda glänzte in den späten Dreißiger Jahren mit einer Reihe größerer Limousinen wie dem Favorit oder dem Suberb. 1937 wurde auch ein Kleinwagen herausgebracht, der es bei 15 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 70 Km/h auf einen spektakulär niedrigen Benzinverbrauch von 5,5 Litern pro 100 Kilometer brachte.

Skoda war früher als Hersteller von Oberklasse-Limousinen bekannt

Die Tschechoslowakei wurde 1938 von der deutschen Armee besetzt und erst 1945 befreit. Trotzdem konnte die zivile Automobilproduktion zumindest teilweise fortgesetzt werden. 1941 brachte Škoda mit dem Rapid 2200 sogar ein neues Modell heraus. Viele Käufer dürfte diese elegante Oberklasselimousine mitten im Krieg jedoch nicht gefunden haben. Immer mehr wurde auch Škoda zur Rüstungsproduktion für die Besatzungsmacht gezwungen, was die Produktionsstätten zum Ziel alliierter Luftangriffe machte. Mit der Verstaatlichung 1946 setzte sich die Fremdbestimmung des Unternehmens fort. Dies und auch die veränderten politischen Rahmenbedingungen in Europa verhinderten, dass die Produktion von Oberklasselimousinen nach dem Krieg wieder in einem größerem Umfang aufgenommen werden konnte. Trotzdem baute Škoda auch in den folgenden Jahrzehnten längst nicht nur Autos für Arbeiter und Bauern. 1949, als sich auch die tschechoslowakische Wirtschaft noch nicht von den Folgen des Krieges erholt hatte, kam mit dem Rennwagen Sport die erste Neuentwicklung nach 1945 heraus. Der aerodynamisch Zweisitzer verfügte über einen Turbolader und kam auf 180 km/h. Ende der Fünfziger Jahre folgte mit dem 1101 ein zweisitziges Sportcoupé, dass vergleichbaren Modellen von Jaguar oder Mercedes ähnelte und eine absolute Ausnahme in der damals auf Klein- und Kompaktwagen konzentrierten Fahrzeugproduktion des Ostblocks darstellte. Auch der elegante Octavia unterstrich bereits in den Fünfziger Jahren die Sonderstellung des Unternehmens. Nach und nach jedoch passte auch Škoda seine Modellpolitik den gesellschaftlichen Gegebenheiten an. Eine Konstante der Produktion seit den Sechziger Jahren waren die Kompaktlimousinen der 100er Baureihe. Der Motor befand sich bei diesen Modellen über der Hinterachse, was an seitlichen Lüftungsschlitzen erkennbar war. Der Vorteil dieser Konstruktion war eine einfachere Kraftübertragung des Antriebs auf die Hinterachse.

Nach der Privatisierung entschloss sich Skoda zur Kooperation mit VW

Die Demokratisierung Tschechiens und der Slowakei nach 1989 brachte Škoda zunächst die Privatisierung. In dieser Situation entschloss sich das Unternehmen zur ungleichen Partnerschaft mit der Volkswagen AG. Neben der Unterstützung der in Westeuropa damals unbekannten Marke bei Marketing und Vertrieb war auch eine enge technische Zusammenarbeit von Anfang an Bestandteil der Partnerschaft. Die Ausgangslage des tschechischen Unternehmens unterschied sich jedoch von der des 1983 übernommenen spanischen Herstellers Seat. Denn Škoda war schließlich ein technisch eigenständiger Hersteller. So wurden die ersten neuen Modelle wie der Felicia auch nicht auf Basis von existierenden VW-Modellen gebaut, sondern bezogen aus Deutschland lediglich Einzelteile. Umgekehrt verkaufte allerdings VW die Pick-Up-Version des Felicia als VW Caddy in Deutschland. Tatsächlich scheint sich Škoda trotz der wirtschaftlichen Unselbständigkeit einen eigenen Markencharakter erhalten zu können. Nachdem in den Nachwendejahren zunächst noch vorwiegend kleinere Nutzfahrzeuge und Kleinwagen verkauft wurden, wagt man sich mit dem Suberb auch wieder in die gehobene Mittelklasse. In diesem Marktsegment war Škoda mit einem gleichnamigen Modell ja bereits Ende der Dreißiger Jahre erfolgreich gewesen.

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