eCall – Lebensrettung per Mobilfunk

So funktioniert der moderne Notrufassistent
eCall – Lebensrettung per Mobilfunk

Jedes Jahr sterben knapp 30.000 Menschen bei Unfällen auf europäischen Straßen, und mehr als 1,7 Millionen werden verletzt. Würden die Rettungskräfte durch einen automatisch ausgelösten Notruf alarmiert, wären sie schneller vor Ort, könnten rascher helfen und mehr Menschenleben retten.

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Bislang verfügt nur eine Minderheit von Fahrzeugen in Europa über ein automatisches Notrufsystem. Daher beschloss die Europäische Kommission, dass bis 2015 alle neu zugelassenen Fahrzeuge mit einem solchen System – genannt eCall, die Kurzform für Emergency Call – ausgestattet sein müssen. Da das entsprechende Gesetzesverfahren im EU-Parlament und im europäischen Rat noch nicht abgeschlossen ist, werden sich die Fristen hierfür bis Ende 2017/Anfang 2018 verlängern. Das System funktioniert nach einem einfachen, aber effektiven Prinzip: Lösen sich die Airbags bei einem Unfall durch einen schweren Aufprall aus, wird eCall automatisch aktiviert, die Rettungskräfte also auch dann informiert, wenn alle Fahrzeuginsassen handlungsunfähig sind. Die eCall-Lösung ruft über das Mobilfunknetz die nächstgelegene Rettungsleitstelle über die europaweit gültige Notfallnummer 112 an und baut eine Sprachverbindung auf. Gleichzeitig wird ein Datensatz an die Leitstelle verschickt. Er enthält die wichtigsten Informationen zum Unfallzeitpunkt sowie die GPS-Koordinaten der Unfallstelle. Zu den weiteren Informationen des Datensatzes gehören die Fahrtrichtung – das ist wichtig auf Autobahnen sowie in Tunneln – und die Fahrzeugidentifikation, wie sie durch EUCARIS, das European Car and Driving License Information System, bereitgestellt wird.

Schnellere Kommunikation = bessere Überlebenschancen

Durch die genauen Angaben von eCall zum Unfallort sind die Helfer schneller vor Ort. Schätzungen der EU-Kommission zufolge kann die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungsdienste in Städten und auf dem Land in vielen Fällen halbiert werden. Darüber hinaus können Rettungskräfte anhand dieser Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) frühzeitig eine gezielte medizinische Versorgung der Unfallbeteiligten vorbereiten, da Beschleunigungssensoren die Aufprallstärke ermitteln und sich somit das Ausmaß der Verletzungen besser einschätzen lässt. Parallel dazu arbeitet die EU-Kommission an Spezifikationen für die Modernisierung von Notrufzentralen – genauer gesagt im Rahmen der Richtlinie zu intelligenten Verkehrssystemen im Straßenverkehr. Dazu kommt ein Vorschlag, mit dem sichergestellt werden soll, dass die eCall-Geräte den geforderten technischen Spezifikationen entsprechen und die EU-weite Typengenehmigung erhalten, damit alle neuen Pkw-Modelle und leichte Nutzfahrzeuge damit ausgestattet werden können. Mit der einheitlichen Notfallnummer funktioniert das eCall-System dann in allen EU-Staaten sowie in Island, Norwegen und der Schweiz.

Welche Technologien benötigt eCall?

Technologisch benötigt eCall eine Kombination von Mobilfunk- und Navigationssatelliten. So bietet beispielsweise Telit Wireless Solutions mit seinem ATOP 3.5G ein Produkt, das dank der Integration aller erforderlichen Technologien in einer Plattform die Entwicklung entsprechender Anwendungen vereinfacht. Unterstützt werden unter anderem 3G-Mobilfunkverbindungen für Datenübertragung und Sprachkommunikation; GPS/GLONASS für die Standortbestimmung sowie die Nahfeldkommunikation (NFC) zur Fahrerauthentifizierung oder Abwicklung mobiler Zahlungen. „Im LTE-Bereich bietet Telit mit dem LE920 ein Modul speziell für den europäischen und nordamerikanischen Automotive-OEM- und -Aftermarket. Es ermöglicht in LTE-Netzen eine 100-Mbps-Download- und 50-Mbps-Uploadgeschwindigkeit. Dank Quad-Band-Unterstützung mit GSM/GPRS und EDGE arbeitet das Modul auch in abgelegenen Gegenden problemlos. GPS- und GLONASS-Signale empfängt das Modul ebenfalls“, erklärt Dominikus Hierl, CEO von Telit Automotive Solutions. Mit dem GE910-QUAD AUTO offeriert Telit ein eCall-kompatibles Quadband-GSM/GPRS-Modul. Die kombinierte GSM/GPS-Lösung erlaubt die Positionsbestimmung im Automobil-, Sicherheits- und Tracking-Bereich. Darüber hinaus verfügt Telit mit dem GE864-QUAD Automotive V2 und dem GL865-QUAD über zusätzliche eCall-kompatible M2M-Module. Weitere M2M-Module, gemäß EU-Spezifikationen befinden sich in der Entwicklung.

Bild: automatischer Notruf per Mobilfunk ©Telit Communications PLC