Oldtimer als Wertanlage – was sollten Sie wissen

Steigende Oldtimer-Preise versprechen finanzielle Gewinne
Oldtimer als Wertanlage – was sollten Sie wissen

Historische Fahrzeuge stellen seit einigen Jahren für viele eine relativ sichere und vor allem rentable Alternative zu klassischen Anlageprodukten wie Aktien oder Immobilien dar. Damit der frisch erstandene Oldtimer als Wertanlage dienen kann, sind einige Punkte zu beachten.

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Wie alt muss ein Pkw sein, damit er auf mittlere oder lange Sicht Geld bringen kann? Lohnt es sich womöglich, Neuwagen als „zukünftige Klassiker“ wegzustellen oder gezielt Autos zu erwerben, die kurz vor dem H-Kennzeichen stehen?

Das kommt darauf an, wie schnell Sie kassieren wollen. Natürlich können Sie jetzt Neuwagen kaufen einmal kurz zulassen und hoffen, dass Sie in 30 Jahren damit den großen Reibach machen. Dieses Szenario ist aber nicht allzu realistisch, auch wenn immer mal wieder solche Fahrzeuge angeboten werden. Negativ machen sich ferner die hohen Lagerungs- und Instandhaltungsgebühren bemerkbar, denn Autos können sich sehr wohl kaputtstehen. Sinnvoller ist es da, zu moderaten Preisen Fahrzeuge zu kaufen, die zwei drei, vier Jahre vor H-Ehren stehen, in Schuss zu bringen und dann wieder abzustoßen. Wenn Zeit und Lagerraum kein Problem sind, lohnen sich auch Fahrzeuge, die gerade minimalen Restwert bieten und meist 15 bis 20 Jahre alt sind.

Wie exotisch dürfen Fahrzeuge sein ungeachtet ihres Zustandes sein, damit sie später voraussichtlich noch einen Käufer finden? Lieber ein großer Name oder ein – zumindest hierzulande – seltenes Fahrzeug?

Zu exotisch oder schlichtweg unbekannt sollten Oldtimer als Wertanlage nicht sein, da es dann schwierig wird, sie an den Mann zu bringen. Einen Holden Monaro beispielsweise kennt in Deutschland kaum jemand, während er auf dem australischen Heimatmarkt hohe Preise erzielt. Ein seltenes Modell, das unter hiesigen wie auch weltweiten Oldtimerfans ausreichend bekannt ist, wie etwa der nur Mal gebaute Ferrari F40, ist da etwas anderes: Er hat auch in der BRD einen großen Namen und ist dazu noch äußerst schnell, das macht viel aus.

Wie viel Geld sollte man mindestens in den Wagen stecken, um nicht nur eine relative, sondern vor allem absolut interessante Rendite zu genießen? In welchem Fahrzeugsegment tut sich derzeit viel?

Sportwagen sind immer gut, die 70er und die 80er Jahre sind voll im Kommen. Auch Youngtimer der ersten Hälfte der 1990er können bald an Wert zunehmen. Ob sich künftige SUV- und Minivan-Oldtimer als Wertanlage eignen und auch später noch einer gewissen Beliebtheit erfreuen, vermag heute keiner zu sagen. Wenn Sie ein gut erhaltenes Exemplar für wenig Geld auftun können, riskieren Sie es einfach. Ein guter VW T4, ein Fiat Ulysses oder gar ein Lancia Phedra mag in 20 Jahren an Wert zugelegt haben, doch wenn Oldtimer als Investment herhalten sollen, gibt’s an Sport- und Luxuswagen kaum ein Vorbeikommen. Unter 5.000 bis 10.000 Euro Einsatz für Anschaffung oder Anschaffung und Aufarbeitung werden Sie keinen Stich landen, besser sind 20 bis 30.000 Euro, wenn schnelle Gewinne gefragt sind.

Geschmackvolle Patina vs. aspetische Vollrestauration: Wo liegt der Trend in diesem ewigen Konflikt aktuell, und wohin wird er in den nächsten fünf Jahren wandern?

Zurzeit ist eine leichte Patinierung, also leichte Alterungs- und Gebrauchsspuren gern gesehen, die selbstverständlich original sein muss. Eine perfektionistische Restaurierung nimmt einem Wagen oftmals viel von seinem über die Jahre gesammelten Charme. Wenn statt Patina die nächste Phase, nämlich allgegenwärtiger Verschleiß und Zersetzung anliegen, ist eine Vollrestauration jedoch zu erwägen. Die amerikanische Spielart, einheimische Fahrzeuge jeder Coleur mit wirklich allen Schikanen wie historischen Druckmaschinen und Papiermischungen zur Erstellung nahezu identischer „Build Sheets“ auf einen möglichst zu 100 Prozent originalen Auslieferungszustand zu trimmen, mag in all ihrem Aufwand auf Außenstehende sehr reizvoll wirken. Allerdings wird derlei hierzulande nicht ausreichend honoriert.

Bild: das 1957er Chevrolet Bel Air Cabrio hat in den letzten Jahren enorm an Wert zugelegt ©flickr/Greg Gjerdingen