Ford –Mercury gibt auf: Zum Ende des laufenden Jahres hat Ford Chef Allen Mulally die Einstellung der Mercury Division vor dem Verwaltungsrat gefordert und bekommen.

Dass Ford Mercury aufgibt, ist leider wenig überraschend: im Mai 2010 verkaufte die Mittelklasse-Gruppe der Ford Motor Company lediglich 9.100 Fahrzeuge – selbst im letzten Krisenjahr waren im Vergleichsmonat elf Prozent mehr Verkaufe zu verzeichnen. Der Grund für die Kundenunlust ist vielschichtig und leider hausgemacht: Die 1939 von Firmengründer Henry Fords Sohn Esel aus dem Nichts gestampfte Mercury hatte schon seit langem schwer zu kämpfen, da die als Nischenprodukt zwischen den günstigen Ford-Modellen und den noblen Lincoln-Wagen, konzipierten Mercury-Autos selten mit eigenständigem Design begeisterten und äußerlich Ford immer ähnlicher wurden.
Wie Ford Mercury banal machte
Weil Ford Mercury beim Badge Engineering (eine Karosserie für verschiedene Marken, die sich nur in Details unterscheidet wie beim VW Polo und Audi A1) jedoch in letzter Zeit kein fesselndes Design durchgehen ließ, lahmten die Mercury Autos der Konkurrenz von Dodge, Oldsmobile und Buick optisch in meisten Fällen hinterher. Somit blieben der Mercury Division nicht nur die Kunden fern, sie kauften auch kein Ford-Produkt mehr, sondern lieber Modelle anderer Konzerne. Mangelnde Kundetreue war für Ford hier zwar immer ein größeres Problem als für GM oder Chrysler, doch wurde der Misserfolg im Mai schließlich untragbar.
Mercury Autos veraltet und wenig ansprechend
Warum niemand ein Produkt von Ford-Mercury kaufen wollte? Möchten Sie, verehrte Leser mit dem Mercury Grand Marquis ein komfortables, großes Auto haben, das in seiner aktuellen Form 1992 auf den Markt kam? Nein, na dann vielleicht ein Midsize SUV wie den Mercury Mountaineer? Immerhin erst seit 2001 auf dem Automarkt. Moderner sind der Mercury Mariner und der Milan, die beide 2005 vorgestellt wurden, letzterer ist sogar mit Hybridantrieb erhältlich, doch sorgt optisch für soviel Beifall wie hierzulande der VW Bora/Jetta.
Legendäre Modelle: Shoebox-Mercs, Mercury Cougar und Mercury Comet
Nachdem GM Oldsmobile sowie Pontiac und Chrysler Plymouth eingestellt hat, trauern nun die Fans des Götterboten mit den geflügelten Sandalen. Die rasanten Mercury Cougar und Mercury Comet, die die Muscle Car Wars der 1960er und 70er machten dem schnellen Namensgeber alle Ehre. Für großes Trara sorgten die Shoebox-Mercs von 1949 bis 1951, die als radikaler Nachkriegsentwürfe galten. Dem Anspruch der gehobeneren Mitteklasse wurden wiederum besonders die Modelle Grand Marquis, Montego, und Cougar der mittleren und späten 70er mehr als gerecht. Und nun ist, nach Frontantrieb und Ideenlosigkeit, Schluss. Mercury, Rest in Peace!