Das Ersatzteilmonopol

News

Bislang ist es Ersatzteilherstellern verboten, sichtbare Bestandteile von Automobilen wie Stoßdämpfer, Frontschürzen oder andere Teile der Karosserie nachzubauen; nur die Autohersteller selbst dürfen solche Teile produzieren und vertreiben.

Das ErsatzteilmonopolAutoreparaturen dürften künftig billiger werden.

Sie können sich „Geschmacksmuster“ ihrer Teile patentieren lassen. Begründet wird dies unter anderem damit, dass das äußere Erscheinungsbild eines Fahrzeugs markenrechtlich geschützt werden müsse. Der Vorteil für die Hersteller: Sie müssen keine Konkurrenz fürchten und haben durch den Verkauf von sichtbaren Ersatzteilen eine zusätzliche Einnahmequelle. Der Ersatzteilmarkt hat allein in Deutschland ein Volumen von rund 2,5 Milliarden (Quelle: AutoBild) und in der gesamten Europäischen Union ein Volumen von bis zu 13 Milliarden Euro (Handelsblatt).

Bereits im Dezember des vergangenen Jahres hat das Europäische Parlament jedoch dafür gestimmt, diesen Designschutz aufzuheben. Zum Wohle des Kunden soll dadurch ein fairer Wettbewerb auf dem Ersatzteilmarkt ermöglicht und damit der Preis für Einzelteile gesenkt werden. Es wird spekuliert, dass die Liberalisierung die Teilepreise mit Mittel um bis zu zehn Prozent senken würde. Vor allem die Staaten mit einer eigenen Automobilindustrie wie Tschechien, Frankreich und natürlich Deutschland wehren sich gegen die Richtlinie, deren Umsetzung klar zu Lasten der Hersteller ginge. Nach der Entschließung durch das Parlament muss die Vorlage nun vom Ministerrat bestätigt werden. Um den dort vertretenen Politikern die Zustimmung zu erleichtern, sieht die Vorlage eine fünfjährige Übergangsfrist bis zum Inkrafttreten der Regelung vor. Eine Marktliberalisierung scheint trotz nationaler Widerstände unabwendbar: Der EU-Parlamentarier Bernhard Rapkay sagte dem Handelsblatt, bei anhaltendem Widerstand Deutschlands werde der Europäische Gerichtshof irgendwann die Aufhebung des Designschutzes verfügen.