Ford stellt Mercury ein

Tochtermarke Mercury ist nach 70 Jahren Geschichte

US-Automulti Ford geht beim Sparen hart vor: nach dem Verkauf von Jaguar und Volvo ist nun Mercury dran. Allerdings wird die Mittelklasse-Marke nicht verkauft, sondern eingestellt.

Ford stellt Mercury einMercury MIlan Hybrid ©UnitedPictures

Mercury hatte noch im Januar auf der Detroit Motor Show 2010 den Mercury Milan mit Hybridantrieb präsentiert, doch gerade einmal 9.100 verkaufte Fahrzeuge im Monat Mai bewogen Ford Chef Alan Mulally und den Verwaltungsrat dazu, die einstmals stolze Mittelklasse-Marke aufzulösen. Selbst im Krisenjahr 2009 konnten im Vergleichsmonat elf Prozent mehr Fahrzeuge abgesetzt werden. Als Relation: BMW und Mercedes, beides teuere Import-Luxusmarken und eben keine soliden Mittelständler, brachten in den USA im Mai 2010 rund 22.000 beziehungsweise 19.000 Fahrzeuge an den Mann.

Mercury hatte schweren Stand

Die Marke Mercury, 1940 von Firmengründer Henry Fords Sohn Esel für die gehobene Mittelschicht ins Leben gerufen, hatte schon lange keine guten Zeiten mehr gesehen. Geplant als Lückenfüller zwischen den günstigen Ford-Modellen und den kostspieligen Lincoln-Autos, konnte Mercury selten mit eigenständigem Design begeistern und wurde äußerlich immer Ford-ähnlicher. Zwar war das Bagde Engineering bei allen der Big Three stets ein großes Thema, doch hinkten die Mercury Autos der Konkurrenz von Dodge, Oldsmobile und Buick optisch in meisten Fällen hinterher. Die Mercury-Kunden blieben aus, aber fatalerweise auch nicht der Ford Motor Corporation treu, sondern wandten sich anderen Konzernen zu.

Ford spart Traditionsmarke ein

Ford Boss Alan Mulally konnte mit seinem harten Sanierungskurs bisher durchaus Erfolge verbuchen: Nachdem die PCG (Premier Car Group), bestehend aus Jaguar, Land Rover und Volvo abgestoßen wurde, mussten anders als bei den direkten US-Konkurrenten GM und Chrysler im vergangenen Jahr keine Staatshilfen beantragt werden.
Für die Fans der Marke Ford Mercury ist die Einstellung selbiger natürlich ein Drama. Bis zum Jahresende könne sie allerdings noch eines der wenig zeitgemäßen Modelle erwerben: Der Mercury Grand Marquis ist seit 1992 in immer wieder aufgewärmter Form auf dem Automarkt, das SUV Mercury Mountaineer immerhin seit 2010. Neuer sind der Mercury Mariner und der Milan, die beide 2005 präsentiert wurden.