Der Allradantrieb im Wandel

Technik

Nicht nur in SUVs bringen vier motorgetriebene Räder mehr Vorteile als gute Traktion im Gelände. Auch reine Straßenfahrzeuge können auf diese Weise wesentlich sicherer werden.

Der Allradantrieb im WandelBeim X5 werden allradtypische Antriebsprobleme mit Steuerungsel

Autos mit einer leer laufenden Achse haben das Problem, dass sich die zwei angetriebenen Räder schneller drehen als die beiden anderen drehen. Wenn dieser so genannte „Schlupf“ bei großer Beschleunigung zu hoch wird, dann drehen die Räder durch. Bei allradgetriebenen Fahrzeuge können ebenfalls alle vier Räder durchdrehen. Da die Motorkraft aber über alle vier Räder auf die Straße gebracht wird, geschieht dies deutlich seltener. Umgekehrt ist auch das Blockieren der Reifen, also das Schlittern auf der Straße, bei zwei getriebenen Achsen deutlich seltener. Schließlich steht hier die doppelte Reifenfläche zum Abbremsen zur Verfügung.

Natürlich gibt es auch einen guten Grund, warum der Allradantrieb nicht längst der Standard bei allen Automobilen ist. Das Problem liegt in der Bemessung der nötigen Drehmomente für die einzelnen Räder. Insbesondere in Kurven legt jedes Rad einen unterschiedlich langen Weg zurück. So fahren die dem Kurveninneren zugewandten Räder fahren eine kürzere Wegstrecke ab als die Räder auf der anderen Seite. Aber auch Vorder- und Hinterräder bewegen sich unterschiedlich schnell, weil nur die Vorderräder zum Lenken eingeschlagen werden. Wenn sich aber beide Achsen gleich schnell drehen, treiben verschiedenen Räder den Wagen unterschiedlich schnell an. Die Verteilung der Antriebskraft auf die vier Räder ist daher vielleicht das wichtigste Forschungsgebiet im Bereich der Allradantriebe. BMW hat hierzu das System BMW-x-Drive für den X5 entwickeln lassen, welches die Antriebssteuerung einem Computermodul überlässt. Mercedes hingegen geht einen traditionellen Weg: Bei der S-Klasse "4-matic" wird ohne Einsatz von Elektronik über ein kompliziertes Differentialgetriebe eine fest stehende Verteilung des Drehmoments der Räder realisiert. Dadurch soll das Verhalten des Fahrzeugs für den Fahrer vorhersehbarer werden.