Lada vor dem Konkurs

Russlands größtem Autohersteller fehlen die Kunden

AwtoWAS als Produzent der Lada-Modelle darbt seit Ende der Sowjetunion an Kundenmangel.  Einheimische Autointeressenten entscheiden sich nicht mehr für einen Lada, da sich andere Angebote als verführerischer erweisen. Sogar importierte Gebrauchtwagen sind weit beliebter als ein neuer Pkw aus der Wolga-Stadt Togliatti.

Lada vor dem KonkursLada Kalina ©flickr / SergeyRod

Die Lada-Liebe erlosch mit dem Ende der Planwirtschaft, die auch den sozialistischen Bruderländern den Fiat 124 von der Wolga bescherte. Der Jahr für Jahr ungestillte Autohunger wurde auch von den  Konkurrenzprodukten der Typen Moskwitsch, Saporoshez, Skoda, Wartburg, Trabant, Polski-Fiat, oder Dacia nicht annähernd behoben. Mit laufendem Bestellschein für einen Lada kam erst das mehrjährige Warten, dann der Neid der Nachbarn und Genossen. Die Auslieferung vom angesehenen Fahrzeug stellte ein wesentliches Ereignis im Ostblock dar: Mit dem Lada 2103 der 1500er-Klasse und 75 PS stieg der Autofahrer in der klassenlosen Gesellschaft mehr als nur eine Klasse auf. Das Auto stellte neben reinem materiellen Reichtum auch eine begehrte Handels- und Tauschware dar.

Lada Niva und Geschwister unbegehrt

Die Lada-Produktion in Togliattigrad begann 1970 unter einem guten Stern, die mit Fiat-Hilfe errichtete Lada-Fabrik stellte zur Eröffnung eine der modernsten Fertigungsstätten der gesamten Autobranche dar. Die für rauere Einsätze in den jetzigen GUS-Ländern überarbeitete Fiat-Lizenzfahrzeuge wurden zunächst als Shiguli vermarktet und erwiesen sich als robuste Massenware ohne anfällige technische Innovationen. Genau die aber verlangt der Kunde heute und findet sie weder beim Lada Priora, beim Lada Kalina noch beim Urgestein Lada Niva. Damit ist die automobile Gelddruckerei vergangener Zeiten so gut wie pleite. Agenturberichten zufolge sei die Insolvenz des massiv verschuldeten Autoherstellers trotz staatlicher Finanzspritzen nicht länger unwahrscheinlich.

Autovaz wie GAZ in Schwierigkeiten

Zur Kostensenkung will Avtovaz bis 2012 etwa 27.000 der derzeitigen 100.000 Stellen streichen. Noch in diesem dieses Jahr müssen rund 5.000 Mitarbeiter mit ihrer Entlassung rechnen. Sollte der Versuch scheitern, die Verbindlichkeiten umzuschulden, werde das Unternehmen zahlungsunfähig, teilte Oleg Lobanow vom VAZ-Vorstand mit. Konkret geht es um eine Anleihe in Höhe von 50 Milliarden Rubel, also rund 1,15 Milliarden Euro. In den vergangenen zwei Jahrzehnten befand sich Lada wiederholt am Rande des Ruins. Auch durch Kooperationen mit Renault und General Motor gelang es Autovaz nicht, für positive Schlagzeilen zu sorgen. Damit geht das Unternehmen den Weg eines jeden Pkw-Produzenten aus dem Ostblock, auch die Fahrzeuge von Wolga GAZ haben Schwierigkeiten, nach 40 Jahren Bauzeit Käufer anzulocken.