Runderneuerte Reifen: Chance oder Risiko?

Lohnt sich die Runderneuerung von Autoreifen?

Oje, das Profil der Autoreifen ist dank zahlreicher gefahrener Kilometer oder diverser Burnouts unterhalb der vor Gesetzgeber geforderten fünf Millimeter? Dann müssen neue Reifen her – oder aber preiswertere, runderneuerte Reifen

Runderneuerte Reifen: Chance oder Risiko?Werden diese Reifen noch runderneuert? ©flickr/ vagawi-

Runderneuerte Reifen erfordern zunächst einmal ein solides Ausgangsmaterial: Der zu erneuernde Reifen darf abgesehen von der abgenutzten Lauffläche keinerlei Beschädigungen aufweisen. Trifft dies zu, wird der Reifenhändler, meist aber ein darauf spezialisierter Betrieb die alte Lauffläche maschinell anrauen oder mithilfe von Messern abschälen, eine neue Lauffläche auflegen und hinterher vulkanisieren. Diese Herangehensweise erweist sich in der Herstellung als bis zu einem Drittel preiswerter im Vergleich zur Herstellung eines Neureifens. Heutzutage kommen dabei zwei Verfahren Kaltrunderneuerung und Heißrunderneuerung zur Anwendung. Anders als oft gehört weisen runderneuerte Reifen im Allgemeinen keinen gesteigerten Rollwiderstand mehr verglichen mit Neureifen auf. Sowohl verbesserten als auch neuen Technologien bei Herstellung und Verarbeitung der neuen Laufflächen ist dieser Umstand zu verdanken. Wie es kaum anders zu erwarten war, müssen auch runderneuerte Reifen eine EWG-Zulassung aufweisen und als solche gekennzeichnet sein.

Runderneuerte Reifen sind im Pkw Bereich unrentabel

Im Pkw-Feld erfreuen sich runderneuerte Reifen in Deutschland aus finanziellen Gründen einer bestenfalls geringen Nachfrage: Runderneuerte Sommerreifen hatten im Jahr 2006 nicht einmal ein Prozent Marktanteil; bei den Winterreifen lag dieser zu diesem Zeitpunkt immerhin bei fünf Prozent. Neue Autoreifen sind schlichtweg derart preiswert geworden, dass sich eine Runderneuerung kaum rechnet. Was ihre Beliebt ebenfalls in Grenzen hält, ist die Tatsache, dass sie nicht als Hochgeschwindigkeitsreifen, etwa mit dem Geschwindigkeitsindex ZR oder Y verfügbar sind und folglich auf vielen Fahrzeugen nicht montiert werden dürfen. Schließlich hat der Reifen-Geschwindigkeitsindex wegen des verordneten Sicherheitsaufschlags höher auszufallen als die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs. Beim Reifen Runderneuern berücksichtigen die dies durchführenden Unternehmen nämlich die Alterung der Karkasse und stufen den Geschwindigkeitsindex solcher Pneus in die jeweils darunter liegende Klasse zurück.

Auch eine Runderneuerung heilt geschundene Autoreifen nicht

Was runderneuerte Reifen in der Gunst der Autofahrer schlecht abschneiden lässt, ist weiterhin der Punkt, dass man in der Regel nicht die eigenen Pneus mit frischer Lauffläche zurückbekommt, sondern eben irgendwelche. Damit weiß der Kunde weder, welchen negativen Zustände wie zu niedriger Luftdruck oder ständige Kollisionen mit Bordsteinkanten der Neureifen in seinem ersten Leben ausgesetzt war, noch kann er es dem Autoreifen nach erfolgter Runderneuerung ansehen. Dies führt natürlich zu einem gewissen Risiko. Außerdem können unter demselben Markennamen und der gleichen Größe die Karkassen verschiedener Hersteller stecken, was unterschiedliche Dämpfungs- und Fahreigenschaften zur Folge hat. Auch wenn in Deutschland Reifen typischerweise nur einmal runderneuert werden, können sie von Anfang an für großes Ungemach sorgen. So machen sich zum Beispiel Höhen- und Seitenschläge durch ähnliche Komforteinbußen bemerkbar wie ein mangelhaft gewuchtetes Rad. Das kann neue Reifen am Ende sogar günstiger als runderneuerte gebrauchte Reifen machen.