Schadensabwicklung bei Unfällen

Wieviel muss man in Ernstfall selbst zahlen?

Wer einen Unfall schuldhaft verursacht, muss dem Geschädigten nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 823, §249) den Schaden vollständig ersetzen.

Die Zahlung erfolgt dabei im Allgemeinen nicht zweckgebunden. Das heißt beispielsweise, dass der Unfallgeschädigte eine Reparatur nicht durchführen lassen muss. Dies ist in Paragraph 249 des BGB zu "Art und Umfang des Schadensersatzes" ausdrücklich festgehalten: "Ist wegen Verletzung einer Person oder wegen Beschädigung einer Sache Schadensersatz zu leisten, so kann der Gläubiger statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen". Zweckgebunden im genannten Sinne ist der eventuelle Anteil der Mehrwertsteuer an der Schadenssumme (§249, Abs. 2). Dies wird relevant, wenn der Geschädigte im Falle eines Totalschadens seines Wagens ein Ersatzfahrzeug von einer Privatperson kauft, statt von einem gewerblichen Händler. Auch wer sein Auto selbst repariert, erhält – außer für gekaufte Ersatzteile – keine Mehrwertsteuererstattung.
Zur Feststellung der Schadenshöhe ist im Allgemeinen die Heranziehung eines Gutachters nötig. Entsprechende Gutachten werden von den Automobilclubs für Mitglieder angeboten, aber auch von gewerblichen Kfz-Sachverständigen. Natürlich sollten nach einem Unfall beide Seiten darauf bestehen, dass ein unabhängiger Gutachter herangezogen wird. Die Kosten für das Gutachten trägt im Allgemeinen der Unfallgegner, sofern dieser den Unfall allein verschuldet hat.
In den meisten Fällen ist die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers für die Schadensregulierung zuständig. Daher kann dann der Ersatzanspruch auch gleich an die Versicherung gestellt werden. Aus juristischen Gründen kann es sinnvoll sein, einen Rechtsanwalt mit der Abfassung dieses Schreibens zu beauftragen. Der Unfallverursacher ist seinerseits dazu verpflichtet, seine Versicherung innerhalb von einer Woche über den Unfall und ggf. über die Einleitung eines behördlichen Verfahrens gegen ihn zu informieren. Letzteres ist insofern von Bedeutung, als im Falle von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit seitens des Versicherungsnehmers die Ersatzpflicht der Versicherung erlöschen kann.
Der Geschädigte kann den Ersatzanspruch mittels einer entsprechenden Erklärung an Dritte abtreten. Damit überträgt der Geschädigte auf diese juristische Person das Recht, den Schaden einzuklagen. Dies geschieht häufig gegenüber dem Gutachter, der die Schadenshöhe festgestellt hat. Man sollte sich jedoch in einem solchen Fall darüber informieren, ob die entsprechende Stelle zur Übernahme des Ersatzanspruchs überhaupt berechtigt ist.
Der Unfallverursacher kann nicht nur zum Ersatz beschädigter Sachen, bzw. zur Zahlung von Schmerzensgeld bei Personenschäden herangezogen werden. Auch Aufwendungen, die sich aus dem Unfall ergeben, können geltend gemacht werden. Hierzu zählen zum Beispiel Kosten für Taxen und Mietwagen, aber für Telefonate mit der Versicherung oder anderen an der Schadensabwicklung beteiligten Stellen.
In vielen Fällen ist der Geschädigte für das Eintreten des Schadens mitverantwortlich. In diesem Fall wird auf der Grundlage des konkreten Unfallherganges eine Schuldquote gebildet, nach der dann die zu leistenden Ersatzzahlungen bemessen werden. Natürlich scheitert die Festlegung dieser Quote auf außergerichtlichem Wege häufig. In diesen Fällen werden dann meist Schadensersatzklagen angestrengt.