Wem droht eine Nachschulung?

Fahranfänger müssen sich in der Probezeit zusammenreißen

Wer als Fahranfänger in der Probezeit schwerwiegende Verkehrsvergehen begeht, darf noch mal die Schulbank drücken – und zwar in der so genannten Nachschulung. Die amtlich verordnete Maßnahme findet meist in den Räumen einer Fahrschule statt. 

Da junge Fahranfänger besonders häufig in Verkehrsunfälle verwickelt sind, will der Staat sie bei schweren Auffälligkeiten im Verkehr mit der Teilnahme Verordnung ein eienr Nachschulung noch einmal disziplinieren. Wer der Aufforderung nicht nachkommt, sieht seinen Führerschein indes nicht wieder – doch dazu gibt es überhaupt keinen Grund: Anders als die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) muss man sich beim „Aufbau-Seminar für Fahranfänger“ (ASF) schon äußerst unkooperativ oder dämlich anstellen, um durchzurasseln. Vielmehr gleicht die Nachschulung, zu der sechs bis zwölf  – in der Regel wegen verschiedener Delikte – auffällig gewordene Autofahrer einbefohlen werden, einer Gruppentherapie unter Leitung eines Verkehrspsychologen. Meist schildert jeder Teilnehmer, aus welchem Grunde er anwesend ist und umreißt kurz, wie es zu dem Verkehrsvergehen gekommen ist. Die Verstöße der Teilnehmer werden Anschließend kritisch, aber konstruktiv diskutiert und Wege zur zukünftigen Vermeidung gesucht. Dabei hält sich der Verkehrspsychologe zurück und nimmt eher eine moderierende Rolle ein.

Die Probezeit der Fahranfänger verdoppelt sich

Während der Nachschulung wird der Führerschein nicht automatisch eingezogen; das Fahrverbot kann zwar auf diese Zeit fallen, muss aber nicht. Grundsätzlich gilt: Die an sich zweijährige Probezeit verlängert sich durch die Anordnung einer Nachschule auf vier Jahre. Zur Teilnahme an einer Nachschulung wird aufgefordert, wer sich eines der untenstehenden Vergehen schuldig gemacht hat.

  • Fahren mit mehr als 21 km/h über dem Limit
  • Selbstverschuldeter Unfall
  • Missachtung einer roten Ampel
  • Fahrerflucht
  • Technische Mängel wie nicht eingetragene Umbauten, abgefahrene Reifen, usw.
  • Fahren unter Drogeneinfluss
  • Fahren unter Alkoholeinfluss in der Probezeit oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres

Die Nachschulung fällt vergehensabhängig aus

Das Aufbauseminar wird von einer dazu lizenzierten Fahrschule durchgeführt und setzt sich aus fünf Komponenten zusammen: vier Theorie-Sitzungen von jeweils 135 Minuten Dauer und einer Beobachtungsfahrt zwischen der ersten und der zweiten Sitzung, die mindestens 30 Minuten lang ist und mit jeweils bis zu drei Teilnehmern absolviert wird. Wird das Seminar vom Führerscheininhaber innerhalb der von der Verwaltungsbehörde festgesetzten Frist nicht erfolgreich abgeschlossen, wird die Fahrerlaubnis entzogen. Für Trunkenheitsfahrten in der Probezeit oder nach §§ 24a, 24c des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) sieht der Gesetzgeber ein „besonderes Aufbauseminar“ vor, das in Gruppen mit mindestens sechs und maximal zwölf Teilnehmern stattfindet. Diesen Kurs leitet ein Vorgespräch ein; hinzu kommen drei Sitzungen von jeweils 180 Minuten Dauer innerhalb einer Zeitspanne von zwei bis vier Wochen. Die Teilnehmer müssen damit rechnen, Kursaufgaben zwischen den Sitzungen anzufertigen. Eine Fristüberschreitung zu diesem besonderen Aufbauseminar wird als Weigerung gewertet und resultiert ebenfalls mit dem Entzug der Fahrerlaubnis. Mit Abschluss der jeweiligen Nachschulung bekommen die Teilnehmer eine Urkunde, die an die entsprechenden Verwaltungsbehörde weiterzuleiten ist. Erst dann wird eine neue Fahrerlaubnis erteilt.