Beitragsbemessung und Versicherungsarten

Autoversicherungen

In kaum einem Bereich des Alltagslebens entstehen so häufig erhebliche materielle und immaterielle Schäden wie im Straßenverkehr. Schon ein paar beim Einparken verursachte Kratzer an der Stoßstange können eine Reparatur für hunderte Euro notwendig machen, von den Folgen schwerer Unfälle ganz zu schweigen. Für die unterschiedlichen möglichen Schadenfälle rund um das Automobil existieren daher spezielle Versicherungstypen.

Für jeden Besitzer eines Kraftfahrzeugs ist eine Haftpflichtversicherung obligatorisch (PflVG, das "Gesetz über die Pflichtversicherung für Kraftfahrzeughalter", http://bundesrecht.juris.de/pflvg/). Diese soll vor allem für Schadenersatzansprüche aufkommen, die dem Versicherten durch von ihm verursachte Unfälle entstehen. Der Versicherungszwang hat dabei einen wichtigen Vorteil: Denn mit ihm geht auch ein Recht auf einen Versicherungsabschluss einher, der von jedem Versicherungsanbieter eingefordert werden kann (PflVG, § 5, Abs.2.). Die Grenzen der Versicherungspflicht markieren, wie bei Versicherungen üblich, grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz. Eine Besonderheit der Kfz-Haftpflicht ist dabei die strenge Auslegung dieser Tatbestände: Ein unter Alkoholeinfluss verursachter Unfall gilt generell als vorsätzlich herbeigeführt und kann Regressforderungen der Versicherung zur Folge haben.
Die Kaskoversicherung deckt im Allgemeinen Sach- und Personenschäden ab, die beim Versicherten selbst entstehen. Aus diesem Grund handelt es sich hierbei auch um eine freiwillige Versicherung. Als Basisversicherung deckt die Teilkaskoversicherung Feuerschäden, Schäden durch Diebstahl, bestimmte Schäden durch Naturereignisse, und Ähnliches ab. Eine sinnvolle Erweiterung hierzu ist die Vollkaskoversicherung. Sie zahlt etwa, wenn ein Baum auf das versicherte Auto fällt. Außerdem ergänzt sie die gesetzliche Haftpflichtversicherung. So werden eigene Schäden durch selbst verschuldete Unfälle abgedeckt oder Fälle von sog. "Ausfallhaftung", in denen ein Unfallgegner nicht verklagt werden kann.
Eine andere Erweiterung der Standardversicherung ist der sog. Schutzbrief. Er beinhaltet neben den klassischen Versicherungsleistungen auch logistische und finanzielle Unterstützungsleistungen über die reine Schadensbehebung hinaus. Bei Unfällen im Ausland sorgt der Versicherer zum Beispiel für eine komfortable Rückreise, im Falle eines Diebstahls fahndet er nach dem verschwundenen Fahrzeug. Unfall- und Rechtsschutzversicherungen für den Straßenverkehr sind hingegen meist in allgemeine Versicherungspakete eingebettet.
Die Bemessung der Beitragskosten ist recht kompliziert. Zur Risikoabschätzung gelten zunächst Merkmale des Fahrzeugs mit Bezug zur statistischen Häufigkeit von Unfällen und deren durchschnittlichen Kosten. Ein Blechschaden an einem großen Mercedes ist natürlich teurer als ein vergleichbarer Schaden an einem Kleinwagen, letztere sind andererseits deutlich häufiger in Unfälle verwickelt – daher der etwas gehässige Ausdruck "Hausfrauenauto". Dazu fließen umfangreiche Angaben zur Person des Versicherten in die Beitragsbemessung ein. Jahrelange Unfallfreiheit kann den individuellen Versicherungsabschluss ebenso positiv beeinflussen wie der Besitz einer BahnCard.
Die große Komplexität der Beitragsbemessung erschwert es, sich einen Überblick über die Angebotslage zu verschaffen. Hier schaffen Tarifrechner, die im Internet in großer Zahl angeboten werden, Abhilfe (z.B. www3.mdr.de/versicherungsvergleich/index_versvergl.html). Auf der Basis detaillierter Angaben werden individuelle Angebote der auf dem Markt befindlichen Versicherungen erstellt. Einen allgemeinen Überblick über Versicherungsanbieter in Deutschland kann man sich mit der die Website des Branchenverbandes GDV verschaffen (www.gdv.de), und über Rechtsfragen rund um Autoversicherungen informiert der ADAC (www.adac.de/Recht_und_Rat/Versicherungsrecht/).