BMW

Sportlichkeit und Luxus

Stolz verweist das Unternehmen BMW in Namen und Logo auf sein Herkunftsland Bayern. Der erste BMW kam jedoch aus Eisenach. Und war eigentlich ein englisches Auto.

Die "Bayerischen Motorenwerke", 1917 aus den Rapp Motorenwerken hervorgegangen, stellten bis Ende der 20er Jahre lediglich Flugzeugmotoren her. 1928 erweiterte der Konzern durch die Übernahmen der Fahrzeugfabrik Eisenach sein Angebot um eine Automobilsparte. Der erste BMW war demnach eigentlich ein Austin Seven, denn dieses Modell wurde zu diesem Zeitpunkt unter Lizenz in Eisenach hergestellt. Nach einer schrittweisen Weiterentwicklung wagte BMW in den Dreißiger Jahren dann den Schritt zum Aufbau einer eigenen Automobilmarke. Mit dem luxuriösen Sportcoupè 328 fand die Firma bereits früh zu ihrem seitherigen Profil. Die 328 besaß mit der "Doppelniere" am Kühlergrill auch bereits das typische Erkennungszeichen der Autos von BMW. Daneben stellte das Unternehmen weiterhin Flugzeugmotoren her, unter anderem die imposanten 12-Zylinder-Sternmotoren der "Tante Ju" genannten Junkers Ju 52.

Die politische Neuordnung Deutschlands nach dem Krieg brachte das Aus für die in der Sowjetischen Besatzzone liegende Eisenacher BMW-Fabrik. BMW verlagerte die Produktion nach München, wo ab 1951 die Luxuslimousine 501 (der sog. "Barockengel") vom Band lief. In Eisenach hingegen wurden fortan Modelle der Marke Wartburg produziert.Das in der Vorkriegszeit geprägte Markenprofil war während der wirtschaftlich schwierigen Jahre nach Kriegsende ein Problem für BMW. Daher entschloss man sich zum Bau und Vertrieb eines preisgünstigen Kleinstwagens. BMW erwarb die Lizenzrechte für den Bau der legendären Isetta von dessen italienischem Konstrukteur Iso Rivolta. Dieses Modell fiel durch eine Reihe außergewöhnlicher Konstruktionsmerkmale auf. So war der Motor hinten angebracht, auf der vorderen Querseite hingegen befand sich mit einer seitwärts zu öffnenden Tür der einzige Zugang zum Innenraum. Tatsächlich gelang BMW mit der Isetta ein enormer kommerzieller Erfolg, nach eigenen Angaben wurde das Modell zum meistverkauften BMW der 50er Jahre.

Nachdem in den Nachkriegsjahren also höchst gegensätzliche Modelle die Produktionsstätten von BMW verlassen hatten, bemühte sich der Hersteller mit der "Neuen Klasse" Anfang der Sechziger Jahre um eine gewisse Vereinheitlichung der Modellpalette. Der Mittelklassewagen 1500 oder der spätere 2002 trugen der zeitgenössischen Tendenz zu einem einfachen und funktionalen Design Rechnung. In den Siebzigern fand BMW schließlich zur heute noch verwendeten Ordnung seiner seine Produktpalette nach Wagenklassen, z.B. repräsentiert seitdem der 5er die obere Mittelklasse. Schon der 635 Csi läutete dabei eine Abgrenzung gegenüber dem Konkurrenten Mercedes ein. BMW setzte hier erkennbar mehr auf Sportlichkeit denn auf Luxus, mit dem 7er konnte und wollte man der S-Klasse von Mercedes keine Konkurrenz machen. Zudem vereinheitlichte man die Produktpalette weiter: Nach dem Auslaufen der Isetta-Baureihe hatte BMW keinen Kleinstwagen mehr hergestellt. Zu dieser Zeit bot man mit den 3ern, 5er, 6ern und den 7ern also durchweg sportliche Mittel- bzw. Oberklassewagen an. Der Versuch, mit dem M1 ein Konkurrenzprodukt zu den reinen Sportwagen italienischer Hersteller aufzulegen, blieb wenig erfolgreich. Die übrigen Modelle hingegen bescherten den Münchenern in den Achtziger Jahren den endgültigen Durchbruch auf dem US-amerikanischen Markt.

Seit den Neunziger Jahren versucht BMW wieder seine Angebotspalette zu erweitern. Hierzu sollten zunächst Zukäufe in der schwächelnden britischen Automobilindustrie dienen. BMW übernahm 1994 Rover und 1998 Rolls-Royce. Obwohl mit dem Scheitern der Sanierung von Rover und dem Wiederverkauf 2000 einer der schwerwiegendsten Fehlgriffe des Unternehmens in den vergangen Jahrzehnte eingestanden werden musste, hat die Erweiterungsstrategie auch zu dauerhaften Erfolgen geführt. Denn mit dem Nachfolgemodell des bis 2000 hergestellten klassischen Mini ist BMW nun wieder im Kleinstwagensegment vertreten, während Rolls-Royce für das Münchener Unternehmen die Luxusklasse bedient. Auch die eigene Marke hat BMW fortentwickelt. Der recht erfolgreiche 1er als sportlicher Kleinwagen ist hierfür ebenso ein Beispiel wie die SUVs der X-Reihe.

Um sein Image als Hersteller von Sportwagen zu stärken, bietet BMW die Großserienmodelle auch in einer Motorsportversion als M-Modelle an. Hierzu wurde ein eigenes Tochterunternehmen, die BMW M GmbH, gegründet. Bereits seit 1961 bietet auch der ganz auf BMW spezialisierte Tuner Alpina technische Weiterentwicklungen der Großserienmodelle an. BMW steht durch seine Konzentration auf große Modelle mit starken Motoren in besonderem Maße unter dem Druck, klimafreundliche Antriebstechniken anzubieten. Vor allem asiatische Hersteller haben mit neuartigen Antriebssystemen Schlagzeilen gemacht. Aber bereits 1979 stellte auch BMW einen ersten Prototyp eines wasserstoffgetriebenen Fahrzeugs vor. 1999 stellte BMW den Prototyp eines auf hybriden Betrieb mit Wasserstoff umgerüsteten 750er der Öffentlichkeit vor und richtete eine eigene Tankstelle für solche Modelle in Berlin ein. Zur Stärkung seines Markenimages lässt BMW zurzeit die "BMW-Welt" bauen. Als Nachahmerprojekt der VW-Autostadt sollen in diesem ca. 250 Millionen teuren Gebäude Neuwagen in einer besonders feierlichen Ambiente an ihrer Käufer übergeben werden.