Citroën

Die Göttin, die Ente und Picasso

Seit jeher ist Citroën für das eigenwillige Design seiner Modelle bekannt. Langsam nähert man sich jedoch auch in Paris dem stromlinienförmigen Mainstream an.

Citroën ist der erste Großserienhersteller der europäischen Automobilgeschichte. Der Gründer André Citroën hatte bis zum Ersten Weltkrieg einen Betrieb zur Herstellung von feinmechanischer Bauteile geführt. Die dort produzierten, gewinkelten Zahnräder, gaben nach Kriegsende der späteren Automarke Citroën ihr Emblem. Aus dieser frühen Phase des Unternehmens sind heute noch der elegante Traction Avant und der Transporter H bekannt, im wahrsten Sinne des Wortes ein „Kastenwagen“.

Für den DS – der Name steht für la déesse, also „die Göttin“ – fand Citroën 1955 die Form, die für die Oberklasselimousinen der Marke bis heute charakteristisch geblieben ist: Eine lang abfallende Dachlinie und ein kurzes Heck gehen einem großen Überhang vorn über. Diese Form entstand zunächst aus Erwägungen zur Aerodynamik. Citroën zeigte bei den ersten Modellen auch in Bezug auf die Technik eine hohe Innovationsbereitschaft: So waren die Scheinwerfer synchron zur Lenkung seitlich schwenkbar. Vor allem hatte die DS als erstes Automobil eine hydropneumatische Federung, mit der die Bodenfreiheit frei eingestellt werden konnte. Ab 1975 übernahm das Nachfolgemodell CX, später die XM-Baureihe die charakteristische Form der DS. Die 2CV-Baureihe ging ebenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg in Serienproduktion. Bereits in den 30er Jahren hatte die Entwicklung begonnen. Die später so genannte „Ente“ war vor allem für den Einsatz im ländlichen Raum konzipiert worden. Eine Überarbeitung des Designs machte den Wagen nach der Vorstellung auf dem Pariser Autosalon 1948 aber später zum populären Stadtauto. Ähnlich wie sein deutsches Gegenstück, der VW Käfer, ist die Baureihe jahrzehntelang ohne größere Veränderungen weitergeführt worden. Anders als beim DS gab es nach der Einstellung der Produktion im Jahr 1990 allerdings keinen Nachfolger für die „Ente“.

Citroën ist seit 1976 im Eigentum der „Peugeot-Société-Anonyme und gehört damit zum zweitgrößten Autohersteller Europas. Nach anfänglichen „Koproduktionen“ mit Peugeot ist die Produktentwicklung heute wieder weitgehend selbständig. In der aktuellen Produktpalette mit 14 Modellen sind alle gängigen Formate vom Kleinwagen bis zum Van vertreten. Als erste französische Marke hat Citroëns einen SUV, den C Crosser mit serienmäßigem Sperrdifferential, entwickelt. Das Flaggschiff der Flotte ist zur Zeit die Oberklasselimousine C6, die damit den Platz der alten DS/CX – Baureihe einnimmt. Im Innenbereich kann man hier ein Feature nutzen, dass bislang eher Jetpiloten zur Verfügung steht: Motorinformationen und Geschwindigkeitsanzeige werden als „head-up-display“ an die Innenseite der Windschutzscheibe projiziert. Entgegen der Darstellung in der Werbung ist von der auffälligen Form der früheren Modelle, „vorne lang, hinten kurz“ allerdings nicht mehr viel geblieben. Einzig der lange Radstand und das flache Dach erinnern noch an die Vorgänger. Das Modell strahlt trotzdem wie alle Citroën eine gewisse Eleganz aus, und so nennt die Website der Firma die neue Kreation selbstbewusst eine „Skulptur auf Rädern“ (www.citroën.de). Am vielleicht auffälligsten an der momentanen Produktpallette ist die Vielzahl an Van-artigen Modellen wie dem „Picasso“.