Jaguar

Der letzte Überlebende

Beinahe wäre auch Jaguar dem Niedergang der britischen Automobilindustrie in den letzten Jahrzehnten zum Opfer gefallen. Dieses Schicksal ist dank Ford nun abgewendet worden, auch wenn Jaguar dafür etwas weniger exklusiv werden musste.

Obwohl Jaguar sich durch das Design seiner Produkte stets als Vertreter der traditionellen britischen Automobilindustrie präsentiert hat, ist die Marke recht jung; erst in den Fünfziger Jahren trat die Jaguar mit einer nennenswerten Modellpalette in Erscheinung. Dabei hat das Unternehmen vor allem zwei Vorgänger: die „Swallow Sidecar Company“, die in der fragmentierten Automobilindustrie der Vorkriegszeit zunächst Seitenanhänger für Motorräder und in den Dreißiger Jahren auch einige Sportwagen und Limousinen entwickelte. Für die technische Entwicklung des Unternehmens bedeutender war wohl aber der 1960 von Jaguar übernommene Hersteller Daimler.

Die Marke Daimler, die heute für besonders luxuriöse Versionen von Jaguar-Limousinen steht, war stets unabhängig vom gleichnamigen deutschen Unternehmen. Beider Namen geht gleichwohl auf ein und dieselbe Person zurück: Als nämlich Gottlieb Daimler 1891 einen neu entwickelten Viertaktmotor in England auf einer Messe präsentierte , wurde der Geschäftsmann Frederik Simms auf ihn aufmerksam und gründete bald darauf die, die die deutschen Motoren ins Vereinigte Königreich importierte und sie dort vertrieb. Daimler fusionierte bereits 1910 mit der „British Small Arms Company“, hatte sich zu dieser Zeit aber bereits die Produktion eigener Automobile begonnen und war als Edelmarke der eigentliche Vorläufer von Jaguar. In den Jahren nach der Übernahme 1960 wurde Daimler so etwas wie die Nobelmarke von Jaguar, auch wenn sich die Modelle in vielen Fällen kaum voneinander unterschieden. Ein wichtiges optisches Unterscheidungsmerkmal waren bis vor kurzem die verchromten Kühlergrillstreben. Die Übernahme von Jaguar durch Ford brachte das kurzzeitige Aus für Daimler. Im Jahr 2005 jedoch brachte Jaguar die Marke zurück. Beim „Daimler Super Eight“ handelt es sich allerdings lediglich um eine besonderes leistungsstarke Version des Jaguar XJ.

Jaguar selbst war Ende der Vierziger Jahre der entscheidende kommerzielle Durchbruch gelungen. Der Legende nach entwickelten William Heynes und Walter Hasan während Wachdiensten im Zweiten Weltkrieg den XK-Motor, der sich durch hängende Ventile und zwei oben liegende Nockenwellen auszeichnete. Diese so genannte DOHC-Technik kam bei anderen Herstellern wie Alfa Romeo erst in den Sechziger Jahren zum Einsatz. Ihr Vorteil: Die Ventile müssen von der Nockenwelle nicht angehoben, sondern niedergedrückt werden, was natürlich weniger Energie erfordert und Leistungsvorteile bei hohen Drehzahlen mit sich bringt. Im 1948 vorgestellten Sportwagen XK120 war dieser Motor also an der richtigen Stelle. Parallel dazu nahm Jaguar die Produktion großer Luxuslimousinen wieder auf. Das Design etwa des 1 ½ Litre, mit einem riesigen Motorraum und weit ausladenden Kotflügeln, war zwar noch ganz auf dem Stand der Vorkriegszeit, hatte jedoch trotzdem einigen Erfolg.

1954 brachte Jaguar dann den Mark VII auf den Markt, der das Image der Marke fortan prägen sollte: Ein starker Sechszylindermotor und dreieinhalb Liter Hubraum waren in einer eleganten, kurvenreichen Karosserie mit sehr langem Radstand untergebracht. Ein weiterer Meilenstein: Der legendäre E-Type. Als direkter Konkurrent des Mercedes 300 SL war dieser zweisitzige Sportwagen das prototypische Fortbewegungsmittel für die Filmfigur James Bond. Jaguar und Daimler hatten mit diesen Modellen zwar bis in die Siebziger Jahre hinein großen Erfolg. Der Traditionalismus beider Hersteller begann sich jedoch bald negativ auszuwirken. Ende der Siebziger Jahre gelang es nicht mehr, die eigenen Neuentwicklungen gegenüber der zahlreicher werdenden Konkurrenz positiv abzusetzen. Zudem nahmen Klagen von Kunden über die technische Unzuverlässigkeit ihrer Wagen zu. Die Limousinen hatten zum Beispiel der modern daherkommenden Mercedes S-Klasse in Design und Technik wenig entgegenzusetzen, und es gelang nicht, einen würdigen Nachfolger für die E-Type herauszubringen.

Das immer stärker in die roten Zahlen geratende Unternehmen verlor als Folge dieser Probleme 1989 seine Eigenständigkeit an Ford. Tatsächlich gelang des dem amerikanischen Unternehmen mit den üblichen Mitteln, etwa der Mehrfachwendung technischer Komponenten, Jaguar Mitte der Neuziger Jahre wieder in die Gewinnzone zu bringen. Ein Grund für diesen Erfolg war, dass Jaguar 1999 mit dem S-Type zum ersten Mal einen Wagen unterhalb der Oberklasse anbot. Diese Limousine mit „nur“ 2,7 Litern Hubraum in der kleinsten Ausführung führte wie die größeren Modelle auch wieder rundere, elegante Formen ein, die bei den Jaguar und Daimler der Achtziger Jahre aufgegeben worden waren.