Lotus Sportwagen

Konzentration aufs Wesentliche

Von den über hundert Modellen, die Lotus seit Ende der Vierziger Jahre produziert hat, ist nur eine Handvoll für den Straßeneinsatz konzipiert worden. Und auch diesen sieht man mitunter ihren privaten Verwendungszweck nicht an.

Die ersten Automobile von Lotus wurden 1957 verkauft, bevor Colin Chapman, der Gründer von Lotus Cars, mit der Produktion begonnen hatte. Denn Chapman vertrieb seine Entwicklungen zunächst als Baukästen, die die Kunden dann selbst zusammenbauen mussten. Chapman hatte seine Karriere als Autoproduzent mit dem Tuning des Austin Seven begonnen und war durch den Erfolg seiner Kreationen zur Entwicklung eigener Modelle ermutigt worden. Ihm ging es zunächst nur darum, Wagen für professionelle Rennen wie den 24 Stunden von Le Mans bereit zu stellen. Auch in der Formel 1 war Lotus mit einem eigenen Team aktiv und mit mehreren Weltmeistertiteln durchaus erfolgreich. Die erste Modellreihe MK war noch auf der Grundlage eines Modells aus der Zwischenkriegszeit entstanden. Und den späteren "-car"-Modellen sah man noch an, dass sie von ihren Besitzern selbst zusammengebaut worden waren. So hatten die meisten Wagen keine Radkästen, sondern die Räder waren wie bei den heutigen Formel-1-Wagen durch frei liegende Achsen miteinander verbunden. Der Grund für das lange Festhalten am Baukastensystem war, dass bestimmte Steuern beim Kauf eines Wagens nur fällig wurden, wenn dieser in zusammengebauter Form erworben wurde. Für die Marke prägend wurden jedoch die Wagen aus der 1957 ebenfalls angelaufenen eigenen Produktion.

Der erste "richtige" Lotus für den Straßeneinsatz war der Elite, ein zweisitziges Sport-Coupé, ganz im Stil der Zeit mit langer Frontpartie und kurzem Heck. Von ähnlichen straßentauglichen Coupés unterschied sich dieses Modell durch die Verwendung einer einschaligen Karosserie aus Fiberglass. Chapman hatte trotz begrenzter Mittel hier bereits eine gute Aerodynamik in den Vordergrund der Entwicklung gestellt, und so erreichte der Elite einen CB-Wert von 0.29. In den ersten zwanzig Jahren seines Bestehens baute Lotus über dreißig verschiedene Wagentypen, von denen fast alle jedoch allein dem Renneinsatz dienten. Da die Produktionskapazitäten begrenzt blieben, mussten die straßentauglichen Modelle mit Motoren anderer Hersteller wie Renault bestückt werden. Eine der wenigen Modellreihen war zum Beispiel der 1966 in der ersten Generation herausgekommene Europa. Der Excel, seit 1982 gebaut, enthielt zu einem großen Teil Komponenten von Toyota. Heute stellt Lotus vor allem kleine, aber gleichwohl kompromisslos sportliche Fahrzeuge her und füllt damit eine Nische, die etwa die italienischen und deutschen Hersteller offen lassen. Vier Modelle sind im Angebot, die sich weniger durch ihre Größe als durch den Grad ihrer Straßentauglichkeit voneinander unterscheiden. Der Elise oder der Europa kommen in ca. sechs Sekunden auf 100 km/h und ähneln kleinen Sportwagen größerer Hersteller. Der 2-Eleven hingegen fällt allein schon dadurch aus dem Rahmen, dass er statt eines normalen Dachs lediglich einen Überrollbügel hat. Die Vorliebe des Hersteller für leichte Karoserien hat sich hier deutlich Bahn gebrochen: Der 2-Eleven wiegt nicht einmal 700 Kilogramm und ist damit deutlich leichter als etwa der viel schwächer motorisierte VW Polo. Zwischen beiden steht der Exige, der entfernt dem Opel GT und ähnelt und in fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h kommt.