Opel

Admiral und Kadett

Wenn vor dem Bundesrat in Berlin die Ministerpräsidenten der Länder vorfahren, wird Niedersachsen durch einen VW Phaeton, Bayern durch einen 7er BMW und Baden-Württemberg durch eine Mercedes S-Klasse vertreten. Der Vertreter Nordrhein-Westfalens allerdings muss mit einem "ausländischen" Auto Vorlieb nehmen: Der Rüsselsheimer Hersteller Opel ist seit den Siebziger Jahren in der Luxusklasse nicht mehr vertreten und konzentriert sich seitdem auf Autos für den kleineren Geldbeutel. Dies allerdings mit zunehmendem Erfolg.

Die Firma Opel ist wohl weltweit einer der ältesten Automobilhersteller. Der Gründer Adam Opel errichtete 1862 allerdings zunächst eine Fabrik für Nähmaschinen. Nach einem Intermezzo in der Fahrradproduktion warb die Firma dann mit Friedrich Lutzmann einen bekannten Autokonstrukteur an und stellt 1897 das erste eigene Automobil auf der 1. Internationalen Automobilausstellung in Berlin vor. Nach dem Krieg führte Opel 1924 als erster deutscher Hersteller die von Ford entwickelte Fließbandproduktion ein. Bis zu dieser Zeit blieb das Unternehmen im Besitz der Familie Opel. In Folge der Weltwirtschaftskrise seit 1929 musste Opel jedoch 1931 an General Motors verkauft werden. Die Eigenständigkeit der Marke blieb dabei immerhin erhalten. In der sich seit den Dreißiger Jahren zunehmend diversifizierenden Automobilproduktion bediente die Firma mit dem P4 sportliche Ansprüche und brachte zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin mit dem Olympia eine elegante Oberklasselimousine heraus. Der Opel Blitz war andererseits der erfolgreichste deutsche LKW der Vorkriegszeit.

Nachdem die Firma im Zweiten Weltkrieg wie viele andere deutsche Industrieunternehmen in die Rüstungsanstrengungen des Dritten Reiches eingebunden worden war, erlangte der Eigentümer General Motors nach 1945 wieder die volle Kontrolle über die Opel AG. Die Marke meldete sich in den Fünfziger Jahren mit dem ca. 800.000-mal (Herstellerangabe) produzierten Opel Rekord erfolgreich auf dem Markt zurück. Deutlicher als andere passte sich Opel mit diesem Modell dem zu dieser Zeit populären, schwungvollem amerikanischen Stil an. Darüber hinaus wurde die traditionelle Modellpolitik jedoch fortgeführt. Besonders deutlich wird dies an den nach maritimen Rangbezeichnungen benannten Mittel- und Oberklassemodellen der Sechziger Jahre, Kadett, Kapitän und Admiral. Sie alle hatten Vorgängermodelle aus den Dreißiger Jahren, mit denen sie auf Grund des großen zeitlichen Abstandes freilich nur wenig mehr als der Name verband. Der Diplomat auf Basis des Admirals, der seinerzeit teuerste Opel, glänzte durch technische Finessen wie elektrische Fensterheber und einen Achtzylindermotor von Chevrolet.

Während es anderen deutschen Herstellern wie BMW und Mercedes seit den Siebziger Jahre gelang, eine führende Position auf dem internationalen Markt der Oberklassemodelle zu erlangen, verlagerte Opel seine Produktion auf kleinere und sportlichere Modelle. Von 1968 bis 1973 produzierte Opel mit dem Zweisitzer "GT" ein reinrassiges Sportcoupé, dass allerdings nur bescheidene 60 PS auf die Straße brachte und ohne Nachfolger blieb. Der "Manta" hingegen sollte das Image der Marke bis Ende der Achtziger Jahre in eher zweifelhafter Weise prägen. Zur gleichen Zeit wurde die Produktion der drei Oberklassemodelle ohne Nachfolger eingestellt. Vielmehr kam 1983 mit dem Corsa der ersten eigentlichen Kleinwagen aus dem Hause Opel heraus. Auch wenn sich der Corsa zum Verkaufsschlager entwickelte, hat die Änderung der Modellpolitik doch insgesamt negative Folgen für das Unternehmen gehabt. Zusätzlich bedingt durch technische Probleme, verringerten sich die Verkaufszahlen auf dem international hart umkämpften Markt der Mittel- und Kleinwagenklasse stark. Auch eine abermalige Erweiterung der Modellpalette um Nutzfahrzeuge und Geländewagen wie den Kastenwagen Combo oder den SUV Frontera konnte dies nicht ändern. In den letzten Jahren gelang dann eine erfolgreiche Modellpflege, die sich auch wirtschaftlich auszahlen sollte. Als ein Zeichen dieser Erholung darf gesehen werden, dass der GT nach rund 30 Jahren neu aufgelegt wird, und zwar diesmal mit 264 PS.