Peugeot

Erfolgreiches Mauerblümchen

Mit fast jedem Automobilhersteller verbindet man ein "Flagschiff", ein Modell, das es zu einem besonderen Bekanntheitsgrad gebracht und das das Image der Marke dauerhaft geprägt hat. Bei Peugeot hingegen macht eine große Zahl von sich gut verkaufenden Modellen den Erfolg der Marke aus. Im Laufe der Nachkriegszeit hat Peugeot PSA es zum zweitgrößten europäischen Hersteller gebracht.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, als in Sous-Cratet eine Mühlenanlage der Gebrüder Peugeot in eine Fabrik zur Stahlbearbeitung umgerüstet wurde. Ab 1880 begann die Fahrradproduktion, 1898 die Herstellung erster Motorräder. In der Frühzeit des Automobilbaus gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte man zunächst dreirädriges "Veloziped" mit Dampfantrieb. Nach und nach jedoch etablierte sich Peugeot auch als Automobilhersteller, auch wenn die neuartigen Benzinmotoren für die eigenen Modelle anfangs von Daimler aus Deutschland angekauft werden mussten. 1910 schließlich wurde die "Société des Automobiles et Cycles Peugeot" gegründet.

Nach zwei Jahrzehnten großen Wachstums begann Peugeot noch kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs über seine neu gegründete (und noch heute dort ansässige) Dependance in Saarbrücken mit dem Import eigener Modelle nach Deutschland. Die Kriegsereignisse trafen das Unternehmen jedoch härter als andere Hersteller. Denn mit der Besetzung Frankreichs fielen sowohl Rüstungsaufträge weg, als auch wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes unter fremder Herrschaft an eine nennenswerte Automobilproduktion nicht zu denken war. Fast jeder erfolgreiche europäische Autohersteller hatte sein Wiedererstarken nach dem Krieg vor allem einem besonders gut verkauften Modell zu verdanken. Bei Peugeot war dies der 203. Die mit ihrem buckligen Heck auch nach damaligen Verhältnissen etwas altmodisch anmutende Mittelklasselimousine wurde zwischen 1948 und 1960 gebaut und verfügte über damals neuartige Finessen wie ein Schiebedach. Obwohl in den folgenden Jahren das Kolonialreich der Französischen Republik unterging, blieben den französischen Autoherstellern strategische Vorteile in den nordafrikanischen Ländern erhalten. Die Peugeot-Modelle der Sechziger verkauften sich dort gut, der 404 etwa avancierte zum Standardmodell der Taxifahrer in diesen Ländern. Stabile Verkaufszahlen auch auf dem europäischen Markt erhöhten die Liquidität des Unternehmens. 1974 konnte eine Aktienmehrheit am französischen Konkurrenten Citroen erworben werden.

Dieser Zukauf machte keinen größeren Umgestaltungen in der Modellpolitik beider Hersteller nötig. Denn Peugeot begrenzte sich schon damals tendenziell auf die niederen Preisklassen, während Citroen erfolgreiche Oberklassemodelle wie die DS hervorbrachte. Ende der Siebziger Jahre übernahm die aus der Fusion hervorgegangene PSA-Gruppe dann auch die europäische Tochterfirma von Chrysler. Ein Relikt dieser Zeit ist die Marke "Talbot", mit der die aufgekaufte Chrysler-Produktion zwischenzeitlich etikettiert wurde. Peugeot betrieb eine konsequente Modellpflege und bringt heute Nachfolger aller Ende der Sechziger Jahre produzierten Pkw-Modelle heraus. Hinzu kommen Vertreter der jüngeren automobilen Kategorien wie die Vans der 80er Reihe und der 4007, ein SUV. Der ab knapp 30.000 Euro erhältliche Geländewagen (Preisliste 2007) basiert auf dem Mitsubishi Outlander, hat aber einen hauseigenen Dieselmotor. Beim Design des 407, einem etwa mit dem 3er von BMW vergleichbaren Mittelklassecoupé, hat Peugeot einmal mehr die Dienste des italienischen Büros Pinnafarina in Anspruch genommen. Die meisten Modelle sind im Bereich der Kleinwagen- bis Mittelklasse angesiedelt. In Deutschland bietet Peugeot allein vier verschiedene Kleinwagenreihen an. Der 107 als kleinstes Modell verbraucht bei 50 Kw nur knapp 5 Liter Benzin und wird für einen Kaufpreis von weniger als 10.000 Euro angeboten. Neben der konservativen Markenpolitik scheint die Treue des Heimatmarktes ein weiterer Grund für den konstanten Erfolg der Marke Peugeot zu sein.

Bei einem Weltmarktanteil von 5,2% erwirtschaftet Peugeot fast 70% seines Umsatzes im Inland. Nach wie vor ist auch des Geschäftsfeld weit gestreut. Wie viele Autohersteller begann Peugeot sein Engagement im Fahrzeugbereich mit Fahrrädern und Motorrädern. Anders als die meisten Konkurrenten hat die Firma diese ursprüngliche Diversifikation seit Beginn des letzten Jahrhunderts recht konsequent beibehalten. Peugeot bietet heute eine umfangreiche Modellpalette an Fahrrädern an und ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Motorrädern und Motorrollern. Die Marke Peugeot kann nicht mit einem stilprägenden historischen oder noch produzierten "Klassiker" aufwarten, was wohl zum Teil dem eher unauffälligen Marktsegment geschuldet ist. Das Profil der Marke versucht man stattdessen mit dem Engagement bei Rallyes zu erhöhen. Unter anderem gewannen Peugeot-Fahrer schon mehrmals die legendäre Rallye Paris-Dakar. In Deutschland präsentiert sich Peugeot seiht einigen Jahren auch mit der "Peugeot Avenue" Unter den Linden in Berlin. Diese Niederlassung dient weniger dem Verkauf neuer Fahrzeuge als vielmehr Werbezwecken und bietet neben einem großen Showroom auch ein französisches Café und Veranstaltungen rund ums Auto wie einen Designwettbewerb.