Renault

Etikettenschwindel?

Seit Renault 1999 eine technische Partnerschaft mit Nissan begonnen hat, werden viele Fahrzeugkomponenten in Modellen beider Marken verwendet. Bis jetzt ist das viertgrößte Autounternehmen der Welt jedoch nicht wegen mangelnder Qualität seiner Fahrzeuge in die Schlagzeilen geraten.

Mit der Gründung einer Niederlassung im Jahre 1907 war Renault vermutlich das erste ausländische Unternehmen, das sich in Deutschland engagierte. Bereits 1898 hatten die Gründer Louis und Marcel Renault ihr erste Automobil in Paris öffentlich vorgestellt und 1905 mit der Serienproduktion begonnen. Auch nach der Umwandlung zum Aktienunternehmen blieb Louis Renault Vorsitzender des Unternehmens. Noch während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg entwickelte Renault heimlich ein neues Modell, den 4CV, das einen sofortigen Neustart nach Kriegsende erlaubte. Dieser Kleinwagen bildete dann die Grundlage zur Entwicklung des heute noch bekannten Renaults 4. Der ca. acht Millionen Mal produzierte Fünftürer mit dem charakteristischen langen Radstand hatte zwar vielerlei Mängel: So galt die Karosserie als rostanfällig, und mit knapp 35 PS war die Motorleistung spätestens in den Achtziger Jahren nicht mehr konkurrenzfähig. Aber Renault schaffte es mit diesem Modell, die Marke auf dem europäischen Kleinwagenmarkt zu etablieren. In der Vorkriegszeit war Renault teilweise das größte Privatunternehmen Frankreichs gewesen.

Zahlreiche Verflechtungen mit anderen Unternehmen und mit der Politik – der dritte Renault Vorsitzende Dreyfuss wurde in den Achtziger Jahren Industrieminister – ermöglichten dem Unternehmen auch nach dem Krieg eine dominante Stellung in der französischen Automobilindustrie. Jedoch konnte die Marke nie in allen Segmenten Fuß fassen. Es wurden keine Oberklassemodelle produziert, stattdessen kam Anfang der Siebziger Jahre mit dem Renault 5 bereits der Nachfolger für die 4 heraus, welche aber tatsächlich länger produziert wurde. Renault bediente mit diesem Wagen den Wunsch nach sportlichen Kleinwagen. Das Modell der „Polo-Klasse mit Fließheck war bei knapp 800 kg Gewicht mit bis zu 1,4 Litern Hubraum und maximal 105 PS (Alpine Turbo) motorisiert. Renault ließ zu Promotionszwecken sogar eine eigene Markenmeisterschaft, den Renault-5-Pokal, austragen.Nicht ohne Grund gibt es auf dem Gebrauchtwagen- und Newtimermarkt außer den genannten kaum Modelle von Renault aus den Achtziger Jahren. Das Unternehmen befand sich in diesem Jahrzehnt in seiner wohl schwersten kommerziellen Krise seit Kriegsende. Den Weg aus dieser Situation wiesen mehrere Maßnahmen: Zum einen begann das Unternehmen eine „Designoffensive“. Konsequenter als andere Hersteller fügte sich Renault dem Trend zu abgerundeten stromlinienförmigen Karosserien. Zudem änderte man die Benennungsweisen der neuen Modelle. An die früheren Ordnungszahlen wie beim Renault 4 und 5 traten assoziationsreiche französische Begriffe. Ein Beispiel für diese Modernisierungen ist der ab 1995 hergestellte Megané, der die kantige Kompaktklasselimousine 19 ablöste. Das in Deutschland bekanntestes Modell der letzten 15 Jahre ist aber der Twingo geworden. Als direkter Nachfolger des Renault 4 hatte er bereits in der ersten Generation eine recht sparsame Motorisierung (maximal 55 KW) und eine spartanische Ausstattung. Das Modell fand in Deutschland jedoch schnell eine Marktnische, da es das das stärker werdende Bedürfnis nach „Vernunftautos“ bediente.

Zum höheren Ansehen der Marke hat sicher auch die enorm erfolgreiche Beteiligung an der Formel 1 seit 1977 beigetragen. Anfang der Neunziger Jahre konnte Renault mit Fahrern wie Ayrton Senna und Michael Schuhmacher den World-Cup dominieren, und auch der derzeitige Star Fernando Alonso hat bereits zwei Gesamtsiege errungen.Die wirtschaftlich, aber auch technisch folgenreichste Entscheidung des Unternehmens war aber eine 1999 mit dem japanischen Hersteller Nissan geschlossene Kooperation. Beide Unternehmen halten seitdem Anteile am Aktienbestand des jeweils anderen und arbeiten bei der Modellentwicklung eng zusammen. Renault stieg durch diese Fusion und durch die gleichzeitige Übernahme der rumänsichen Marke Dacia zum viertgrößten Automobilhersteller der Welt auf. Um Entwicklungskosten zu sparen, werden wesentliche Teile neuer Modelle sowohl in Nissan als auch in Renault-Fahrzeugen verwendet. Dieses so genannte Badge Engineering betrifft vor allem Komponenten, welche die Gesamtcharakteristik und die Wahrnehmung des Wagens nicht stark beeinflussen: Sowerden etwa von außen nicht sichtbare Komponenten die Wagenachsen und Radhäuser doppelt verwendet. Einige Modelle haben jedoch auch gemeinsam verwendete Motorentypen, und der Clio (Nachfolger des Renault 5) hat im Nissan Versa sogar einen optisch nahezu gleichen Zwillingsbruder.