Seat

Der Parvenü

Auf der Firmen-Website fasst Seat Deutschland seine Unternehmensphilosophie in dem Motto zusammen: “Wer überholt, muss mit Gegenverkehr rechnen”. Was auch immer das heißen soll, die einzige spanische Automarke hat innerhalb eines knappen Vierteljahrhunderts auf dem deutschen Markt Fuß fassen können.

Gegründet 1950 wurde die “Sociedad Española de Automóviles de Turismo, S.A.” als staatliches Unternehmen im damals diktatorisch regierten Spanien. Die Abschottung des Landesgegenüber dem Rest Europas, insbesondere durch hohe Handelszölle, hatte eine Monpolstellung des Herstellers auf dem heimischen Markt zur Folge. Negativ wirkte sich hingegen aus, dass der wirtschafltiche Aufsschwung West-Europas nach dem Krieg weitgehend an Spanien vorbeiging. Daher blieben die Absatzmöglichkeiten für Seat schlecht. Man behalf sich mit dem Nachbau von Fiat-Modellen in Lizenz. Erst die Demokratisierung des Landes seit 1975 und die Annäherung an die EG/EU bis zum Beitritt 1986 ermöglichten es Seat, auch im Ausland Fuß zu fassen und international konkurrenzfähig zu werden. 1983 wurden die ersten Modelle nach Deutschland ausgeliefert, wo seit 1986 auch eine eigene Vertriebs-GmbH existiert. Aus einem seit bestehenden Partnschaftsabkommen mit VW entwickelte sich eine vollständige Übernahme durch den deutschen Konzern bis 1990. Heute wird das Unternehmen von deutschen Managern aus dem Hause Audi und Volkswagen geleitet und ist in die Unternehmensstrategie des Mutterkonzerns eingebunden. Dabei bedient Seat vor allem die Nachfrage nach sportlichen Kleinwagen und kleineren Vans. Unbestreitbarer Vorteil der Kooperation ist jedoch die Anbindung Seats an den technischen Standard und das Vertriebs- und Servicenetzwerk von VW.

Paradoxerweise gewann Seat erst eine gewisse Eigenständigkeit als Autohersteller, als die Firma nach und nach in den Besitz von VW überging. Den Lizenznachbau von Fiat-Modellen führte die Firma nicht fort, sondern legte 1982 eine eigene Modellreihe auf. Diese erste Generation “echter” Seat musste noch ohne technische Unterstützung durch den neuen Kooperationspartner VW auskommen. Dagegen hielt sich der technische Einfluss von Fiat noch eine Weile: Der heute vergessene Seat Fura war eigentlich eine Weiterentwicklung des 127, einem Lizenznachbau des gleichnamigen Modells von Fiat. Auch im optisch neugestalteten Málaga wurde die Bodengruppe des älteren Seat, alias Fiat, 131 verwendet. Insgesamt bestand die erste Generation der neuen Seat aus vier Modellen der Kleinwagen- und der unteren Mittelklasse. Die geänderten handelspolitischen Rahmenbedingungen waren eine weiterer Voraussetzung dafür, dass Seat zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte nennenswerte Exportzahlen verbuchen konnte. Der Fura-Nachfolger Ibiza verfügte 1985 als erster Seat über eine Karosserie, die nicht von Fiat stammte. Bei der zweiten Modell-Generation konnte Seat den Anteil eigener technischer Entwicklungen weiter erhöhen, bezog aber bspw. den Motor des neuen Ibiza von VW (statt wie bis 1993 von Fiat und Porsche).

In den letzten Jahren hat Seat die technische Zusammenarbeit mit VW weiter intensiviert, so dass Bodengruppe und Motoren eines großen Teils der Modelle heute aus der Entwicklungsabteilung des Mutterkonzerns stammen. Auch wenn die Modelle von Seat zumindest optisch von ihren Geschwistern der Marken VW und Skoda leicht zu unterscheiden sind, hat dem Unternehmen die firmeninterne Konkurrenz auf dem europäischen Markt doch geschadet. Noch für das Jahr 2006 muss das Unternehmen in Deutschland einen Verlust von fast 50 Millionen Euro bekannt geben (www.seat.de).