Volkswagen

Und läuft, und läuft, und läuft

Fast drei Jahrzehnte lang verband man die Automarke VW mit nur einem Modell, dem Käfer. Heute bietet Volkswagen nicht nur Autos in allen gängigen Kategorien an, sondern ist auch Herr über sechs weitere Hersteller.

Der Name des Volkswagen-Konzerns leitet sich eigentlich von einem einzigen Auto ab: Dem Käfer. Die Regierung des dritten Reiches verfolgte in den Dreißiger Jahren das Ziel, einen für alle gesellschaftlichen Schichten erschwinglichen Wagen produzieren zu lassen. Es gelang dann Ferdinand Porsche mit seinem Modell, die Machthaber zu überzeugen. Bereits vor dem Krieg wurde die Produktion des Käfers aufgenommen, aber nach 1939 unterbrochen. Dieses Modell sowie das zu seiner Produktion in Wolfsburg gebaute Volkwagenwerk waren dann die Grundlage zur Gründung eines eigenständigen Automobilkonzerns nach dem Krieg. Tatsächlich stellte Volkswagen auch bis Anfang der Sechziger Jahre kein anders PKW-Modell her. 1950 war lediglich der VW-Kleinbus, der „Typ 2“ dazugekommen, 1961 wagte man sich mit dem „Typ 3“ in der Ausführung als Coupé, Stufenhecklimousine und Kombi erstmals in die Mittelklasse. Gemeinsam war allen bisher gebaute Wagen die Verwendung eines Boxermotors, der im Heck angebracht war.

Dem seit 1960 als Aktiengesellschaft geführten Unternehmen Volkswagen gelang es dann durch Übernahmen, eine breitere Produktpalette zu entwickeln: 1964 wurde die Ingolstädter Auto-Union AG, den in Ingolstadt ansässigen Hersteller der Marke Audi, gekauft. Der vom Audi 80 abgeleitete Passat ist zum Beispiel das älteste Modell, das einen noch heute gebauten Nachfolger hat. Viele andere Entwicklungen wurden nur kurz produziert und sind heute vergessen, wie etwa der „Typ 4“ (auch „Variant“ genannt), eine ebenfalls mit Boxermotor im Heck ausgestattete Limousine. Erfolgreich waren eher die Modelle mit einer zeitgemäßen Motortechnik und einem ansprechenden Äußeren. Der Scirocco, ein vom Ford Mustang inspiriertes Pony-Car, steht stellvertretend für diese neue Modellpolitik der Nach-Käfer-Ära. Endgültig etablierte sich VW in den Achtziger Jahren, als das Unternehmen unter dem eigenen Markennamen ganze zehn Modellreihen vom Kleinstwagen (Polo) bis zum Jeep (Iltis) anbot. Der Golf war bereits in die zweite Generation gegangen und schickte sich an, den Produktionsrekord des ca. 21 Millionen mal hergestellten Käfers zu brechen. Anders als beim ersten Volkswagen achtete man beim Golf jedoch darauf, technisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Der Golf 1 und sein Nachfolger hatten aus diesem Grunde nicht viel gemeinsam.

Nachdem für die Marke VW Automodelle in allen „bezahlbaren“ Kategorien eingeführt worden waren, vervollständigte das Unternehmen sein Angebot in den Neunziger Jahren abermals durch Zukäufe: Bugatti, Bentley und Lamborghini, um ein Haar wäre auch die Autosparte von Rolls-Royce gekauft worden, boten VW den Einstieg in die Luxusklasse. Zugleich wurde in den 90er Jahren das Image der eigenen Marke gestärkt: In den USA legte VW den Käfer als New Beetle erfolgreich neu auf. Am Stammsitz in Wolfsburg baute man als erster der großen deutschen Hersteller ein großes Auslieferungszentrum, die „Autostadt“, und in Dresden die „gläserne Manufaktur“ für die Oberklasselimousine Phaeton.